Die SAMSON AG, weltweit tätiger Lösungsanbieter im Bereich Ventil- und Prozesstechnik, befindet sich in der größten Transformation ihrer Geschichte: Der Hauptsitz des Unternehmens wird von Frankfurt nach Offenbach verlagert – das betrifft knapp 2.000 Mitarbeitende, die das vollständige Spektrum von Administration über Entwicklung und Produktion bis hin zu Vertrieb und Service abdecken, und über 120 Maschinen und Anlagen.
Mit dem Umzug sind viele Vorteile verbunden, wie Dr.-Ing. Alexander Epple, Head of Manufacturing Technologies, erklärt: »Wir sind hier in Frankfurt über die letzten 120 Jahre sehr stark gewachsen und stoßen inzwischen bei Flächen und Intralogistik an strukturelle Grenzen. In Offenbach können wir uns auf etwa 140.000 Quadratmetern komplett neu organisieren und weiterwachsen.«
Alexander Epple ist für die Neukonzeption und den Umzug der Fertigung zuständig: »Im Zuge des Standortaufbaus haben wir die Chance, den Maschinenpark umfassend zu modernisieren und zu rund 40 % zu erneuern. Wir schaffen damit die Grundlage für eine effiziente, zukunftsorientierte Fertigung, die sich gegen die weltweite Konkurrenz behaupten kann.«
Seit Anfang 2026 zieht die Fertigung mit rund 120 Werkzeugmaschinen sukzessive um, bei unverminderter Produktionsleistung. Auch die Installation von Neuanlagen ist in vollem Gange – mit dem Fokus auf Automatisierung. »Ziel ist es, die Produktivität zu steigern und dem Fachkräftemangel mit bedienerlosen Schichten zu begegnen«, betont Alexander Epple. »Dazu müssen wir die Arbeitszeiten der Mitarbeiter von den Maschinenzeiten entkoppeln und Rüstzeiten eliminieren.«
Die Schwierigkeit dabei: Das SAMSON-Bauteilportfolio im Gehäusebereich ist vielfältig, denn das Unternehmen ist auf Stellventile für Spezialanwendungen spezialisiert. Die Werkstücke unterscheiden sich in den zu bearbeitenden Materialien, Geometrien und Größen. Sehr kleine Losgrößen bis hin zu Stückzahl 1 sind die Regel. »Daher benötigen wir eine flexible Automatisierung mit vorgerüsteten Paletten«, erklärt Uwe Berger, verantwortlich für den operativen Part in der Abteilung ›Gehäuse‹. »Nur so können wir bedienerlose Schichten realisieren.«
Konkret geht es um die Zerspanung von Ventilgehäusen in einer Nennweite von bis zu 150 mm. Außerdem sollen Zwischenstücke, Isolierteile und Ähnliches vollautomatisiert bearbeitet werden. Dies fand bisher auf vierachsigen Horizontalbearbeitungszentren statt. »Von maschinentechnischer Seite her völlig ausreichend«, urteilt Uwe Berger. Daran wollte er zunächst nichts ändern, um den Programmieraufwand nicht unnötig zu vergrößern. »Wir haben uns jedoch mit Siemens NX auf CAM-Seite neu aufgestellt, um über Simulation mit digitalem Zwilling eine sichere Zerspanung zu gewährleisten. Für die automatisierte Bearbeitung eine Grundvoraussetzung.«
Da eine solche Automatisierung für die SAMSON-Fertigung Neuland war, suchten die Verantwortlichen nach einem Partner mit diesbezüglicher Erfahrung, »am besten einen deutschen Maschinenhersteller, da wir großen Wert auf kurze Wege und damit verbunden einen guten, schnellen Service legen«, sagt Alexander Epple. Im bisherigen Maschinenpark finden sich vierachsige Bearbeitungszentren von verschiedenen Anbietern, die die Anforderungen grundsätzlich erfüllen. Bei der Auswahl kamen aber weitere Kriterien zum Tragen. Besonders wichtig war für Alexander Epple und die SAMSON-Entscheider, dass der Maschinenhersteller als Generalunternehmer fungiert: »In der Umzugsphase können wir die Koordinationsaufgaben nicht selbst übernehmen. Da brauchen wir einen verlässlichen Partner, der unsere Wünsche versteht und umsetzt.« Drei Unternehmen kamen in die Endauswahl. Sie lieferten Vorschläge für ein Automatisierungskonzept mit Maschinen und Palettensystem. »Starrag hat letztendlich das für uns technisch beste Gesamtkonzept erstellt, in einem kostenseitig erschwinglichen Rahmen«, erklärt Alexander Epple. »Großen Anteil daran hat Guido Steinbrück, der für uns zuständige Starrag-Außendienstmitarbeiter. Er kennt unser Unternehmen seit Langem und ist ein sehr guter Zuhörer. So hat er schnell verstanden, worauf es uns ankommt, und einen Vorschlag unterbreitet, der exakt für unsere Bedürfnisse passt.«
Für das flexible Fertigungssystem empfahl Guido Steinbrück zwei vierachsige Heckert H80 aus dem im Chemnitzer Werk entwickelten Kompaktbaukasten: »Das sind platzsparend gebaute, horizontale Bearbeitungszentren mit der typischen Heckert-DNA – präzise, leistungsstark, schnell und über Jahre hinweg ausgesprochen zuverlässig.« Schon seit zwei Jahren sammelt SAMSON in der Gehäusebearbeitung Erfahrungen mit einer solchen Heckert H80. Uwe Berger zeigt sich sehr zufrieden: »Die Maschinen erfüllen unsere Anforderungen voll und ganz.« Wobei er sich bei der jetzigen Bestellung ein paar Sonderwünsche umsetzen ließ. So ist eine der Heckert H80 mit Planzugfunktion ausgestattet, um eine μm-genaue Dichtkante erzeugen zu können. »Beim Werkzeugmagazin haben wir uns für die große Variante mit 265 Plätzen entschieden, damit auch Schwesterwerkzeuge geladen werden können, was uns einen langen autonomen Betrieb ermöglicht.«
Ein weiteres Kriterium, das für Starrag als Partner sprach: Die Heckert-Kompaktmaschinen gibt es ebenfalls als fünfachsige Variante – für SAMSON ein wichtiger Punkt, denn das Unternehmen entwickelt gerade einen modularen Ventilbaukasten. Die Gehäuse enthalten viele Features, wodurch die Komplexität in der Bearbeitung zunimmt und sich eine fünfachsige Bearbeitung anbietet. »Diese Elemente wollen wir künftig ebenfalls automatisiert in einer Aufspannung fertigen. Daher haben wir in der Planung unseres neuen Fertigungssystems bereits einen dritten Maschinenplatz für ein 5-Achs-BAZ vorgesehen.«
In diesem Zusammenhang äußerte Uwe Berger noch einen Wunsch: »In unserem System wollen wir einheitliche Maschinenpaletten haben – für die beiden vier- und das zukünftige fünfachsige Bearbeitungszentrum.« Kein Problem für Starrag. Denn die Heckert-Kompaktmaschinen sind von Haus aus für einheitliche Maschinenpaletten konzipiert.
Noch wichtiger als die – bewährten – Maschinen war für Alexander Epple das Automatisierungskonzept, das Guido Steinbrück mit seinem Team erstellte. Dabei ließ der Starrag-Vertreter den SAMSON-Entscheidern die Wahl zwischen Vorschlägen, die er mit drei führenden Herstellern von Palettensystemen erarbeitete. Den Zuschlag erhielt der Schweizer Anbieter Erowa mit seinem LoadMaster Compact 1400. Erowa Sales Manager Alexander Winter erklärt, was sein System für diesen Einsatz so geeignet macht: »Der LoadMaster ist ein modulares Hochleistungs-Automatisierungssystem. Mit seiner stabilen Konstruktion und langen linearen Verfahrachse eignet er sich besonders für die Versorgung mehrerer Maschinen, die er mit Magazinen und Rüstplätzen in einer Linie verbinden kann.« Im Vergleich zu den anderen ergab sich mit dem Erowa LoadMaster das schlankeste Gesamtsystem. Alexander Epple bestätigt der Lösung noch eine spezielle technische Raffinesse: »Wir müssen die Paletten in das Regal von beiden Seiten einschieben und sie gegebenenfalls auch drehen können. Dafür gibt es eine von Erowa entwickelte 360°-Schwenkfunktion, die perfekt funktioniert.«.
69 Palettenplätze stellt das bei SAMSON installierte LoadMaster-System zur Verfügung. Diese sind mit hochgenauen Maschinenpaletten von Starrag – einer Kernkompetenz des Maschinenherstellers – bestückt. »Auf unseren Wunsch hin wurden sie mit einem Bohrbild versehen, über das wir unsere Vorrichtungen montieren können«, erläutert Uwe Berger. »Diese verbleiben dauerhaft auf der Palette, sodass der Rüstvorgang des Rohmaterials kaum noch Aufwand verursacht.«
Apropos Rohmaterial: Großen Anklang fand der Vorschlag von Guido Steinbrück, die vier Erowa-Beladungsstationen automatisiert mit auf Europaletten gelagerten Rohlingen zu versorgen. Diese stellt ein Lagersystem von Gebhardt bereit, das auch die Fertigteile aufnimmt und bis zur Weiterbearbeitung oder zum Abschluss des Fertigungsloses vorhält.
Um die Aufträge und alle Abläufe – inklusive der passgenauen Rohmaterialbereitstellung – zu steuern, bedarf es eines leistungsstarken Leitsystems. »Wir nutzen im Unternehmen bereits in anderen Bereichen die Software EMS von PROCAM«, so Alexander Epple. »Also bevorzugten wir dieses auch für unser flexibles Fertigungssystem. Für die Starrag-Maschinen und das Erowa-Palettensystem war die Kommunikation mit EMS kein Problem.«
So übernimmt heute PROCAM EMS die Gesamtsteuerung. Dazu gehört unter anderem die optimierte Planung der Aufträge und in welcher Abfolge sie auf welcher Maschine abgearbeitet werden. Dabei betrachtet EMS auch Randbedingungen wie die Reststandzeiten der Werkzeuge, sodass die Maschinen möglichst lange autonom laufen können. Außerdem versorgt EMS die Maschinen mit den jeweiligen NC-Programmen. »Die große Herausforderung in der Digitalisierung ist es, einen funktionierenden Datenaustausch zwischen verschiedenen Systemen zu gewährleisten«, betont Alexander Epple. »Die Kommunikation zwischen Leit- und ERP-System, der Werkzeugverwaltung, dem CAM- und CAQ-System sowie der CNC – für einen vollautomatisierten Betrieb muss das zu 100 % passen. Das sind natürlich Aufgaben, die zu einem Großteil in unseren Verantwortungsbereich fallen. Aber auch Starrag und Erowa haben sich diesbezüglich sehr offen gezeigt.« Seit Mai ist im Offenbacher SAMSON-Werk das flexible Fertigungssystem in Betrieb. Alexander Epple lobt: »Was Starrag als Generalunternehmer für das neue flexible Fertigungssystem geleistet hat, war große Klasse. Zeitplan, Ausführung und Kosten sind komplett im Soll geblieben.« Und Uwe Berger ist sich sicher, dass die gesetzten Ziele erreicht werden: »Wir lasten die Anlage momentan erst zu knapp 80 % aus. Aber wir sehen schon, dass der Rüstkostenanteil, der bei unseren kleinen Losgrößen rund 15 bis 20 % der Gesamtkosten betrug, auf nahezu null zurückgeht. Zudem werden wir durch diese Automatisierung im Vergleich zu zwei Stand-Alone-Maschinen etwa 30 % mehr Kapazität gewinnen.«
Ich freue mich von Ihnen zu hören.
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