1921 entstand unter der Leitung von Fernand Turrettini, dem geschäftsführenden Direktor von SIP, das Lehrenbohrwerk MP4, das als ein sehr wichtiges Werk galt: Mit der extremen Steifigkeit des Portalrahmens und seinen präzisen Gleitschienen setzte es Massstäbe über ein Jahrhundert, die das Unternehmen immer noch als Leitfaden verwendet.
»SIP lebt Präzision seit der ersten Stunde«, meint im Rückblick Jean-Daniel Isoz, Leiter der Business Unit Ultra Precision Machining Centers bei Starrag. Eine spezielle Rolle spielt von Anfang an Botanik-Professor und Physiklehrer Thury, der viele Instrumente und Apparate entwickelt, die schon zu jener Zeit auf zehn Mikrometer exakt messen konnten. Bereits 1865 entsteht eine Teilungsmaschine, die Messlineale auf wenige Mikrometer exakt unterteilt.
Ein besonderes Meisterwerk stellt das junge Unternehmen kurz darauf auf der Weltausstellung in Paris vor: ein Fernrohr mit hochpräzisem Uhrwerkantrieb, das sich parallel zur Rotationsachse der Erde bewegt und so ermöglicht, den Weg eines Gestirns zu verfolgen. Die Innovation aus Genf sorgt für Aufsehen in der französischen Hauptstadt, de la Rive und Thury erhalten eine Medaille für das mechanische Meisterwerk.
Stolz auf ihre Medaille kehren die Wissenschaftler aus Paris zurück, um mit der gleichen Akribie Tachometer, Wassermotoren, Gasöfen, Kältemaschinen, Stromzähler und Präzisionslineale herzustellen. Doch einen Namen machen sich die beiden Gelehrten mit hochpräzisen Apparaten und Instrumenten. Der Name SIP dringt bis zu den Fachleuten der internationalen Generalkonferenz für Mass und Gewicht (Conférence Générale des Poids et Mesures CGPM) durch, die de la Rive und Marc Thury 1899 für deren Präzisionsarbeit eine der insgesamt zwölf Platin-Iridium-Kopien des dritten Urmeters geben, die sonst in der Regel nur staatliche Eichinstitute erhalten.
Derart exklusiv ausgestattet, geht das Genfer Unternehmen in den folgenden Jahren die nächsten Schritte in Sachen Hochpräzision: Gefragt sind ihre Leistungen bezüglich Präzision beispielsweise bei der Schweizer Marine, für die ein gigantisches Artillerie-Zielgerät entsteht. Bekannt wird SIP 1921 aber mit der Einführung der Lehrenbohrmaschine »Machine à Pointer«, laut Wikipedia die weltweit erste in Serie gefertigte Werkzeugmaschine. Als »grand oevre«, als wichtiges Werk von SIP, bezeichnet sie der technische Direktor Fernand Turrettini. Sie setzt mit der hohen Steifigkeit des Portalrahmens und ihren präzisen Gleitschienen vor rund einem Jahrhundert Massstäbe, an denen sich das Unternehmen immer noch orientiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Abkehr bei der Maschinenproduktion vom bisher üblichen empirischen Verfahren. Turrettini überträgt die Prinzipien der wissenschaftlichen Messtechnik auf die industrielle Herstellung, ohne Zugeständnisse bei der Präzision zu machen.
Ganz in der Tradition der berühmten Uhrenmanufakturen seiner Heimatstadt setzt Turrettini auf Handarbeit. Ohne Kompromisse in Sachen Herstellkosten lässt er speziell ausgebildete Fachleute alle für die Präzision wichtigen Maschinenelemente schaben – vom Maschinenbett, den linearen Führungsbahnen und Kugelgewindetrieben bis hin zu den Spindelköpfen und Achsen. Dieser aufwendigen Handarbeit und der präzisen Montage sämtlicher Elemente verdankt die industrielle Welt 1921 mit der Lehrenbohrmaschine laut Wikipedia auch die erste auf Mikrometer exakt bohrende Produktionsmaschine. Aber auch im Zeitalter der Elektronik steht bei SIP rund ein Jahrhundert später die mechanische Genauigkeit im Mittelpunkt, der die Maschinen der heutigen Tochter der Schweizer Starrag Group, eines weltweit führenden Herstellers von Präzisions- Werkzeugmaschinen, vor allem ihre ›long-term accuracy‹ verdanken. »Wenn sich die Geometrie einer Maschine im Laufe der Zeit aufgrund veränderter Zugspannungen während der Montage verschlechtert, dann nützt einem Anwender auch kein noch so genaues Lasermesssystem «, erklärt Jean-Daniel Isoz, Leiter Business Unit Ultra Precision Machining Centers bei Starrag. »Erst wenn wir die perfekte Geometrie erreicht haben, kümmern wir uns um die Kompensation der letzten Mikrometer etwa durch Elektronik.«
Ich freue mich von Ihnen zu hören.
Kontakt© 2026 StarragTornos Group AG
Diese Website nutzt funktionale Cookies um anonymisierte Informationen zu speichern. Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung dieser Cookies zu.
Weitere Informationen finden Sie in der
Datenschutzerklärung.