Hier herrscht bei den Jobshops ein extrem harter Wettbewerb«, erklärt Geschäftsführer Julien Ducommon. »Wir behaupten uns mit der Konzentration auf komplizierteste Bauteile für die Uhren- und Juwelenindustrie, die in höchster garantierter Qualität und Präzision auf unserer Bumotec entstehen.« Dank der Investition konnte Niru nicht nur in der Uhrenindustrie Fuss fassen, sondern auch neue Branchen mit Erfolg angehen. »Mittlerweile stelle ich ab und an bereits Prototypen für die Medizintechnik her«, freut sich Ducommon. »Ich zerspane neben Metallen nun auch Kunststoffe wie PEEK. Die meisten Prototypen entstehen übrigens in einer Aufspannung per Drehen und Fräsen.«
Insgesamt kommen in Genf vier CNC-Werkzeugmaschinen zum Einsatz, drei davon stammen aus der Übernahme eines anderen Unternehmens. Niru Swiss entschied sich bei der vierten Maschine bewusst für das vertikale CNC-Hochleistungsbearbeitungszentrum Bumotec s191V, das präzise und produktive Zerspanung bietet. Die Kombination von Linearmotoren, Direktantrieben, Nanointerpolation und die hohe Messauflösung von 1/100 µm ermöglicht hohe Konturgenauigkeit (beispielsweise eine Rundheit von 1,4 µm bei einem Radius von 50 mm). Dank »ihrer exzellenten thermischen Stabilität« können Ducommon und sein Team Bauteile 5-achsig simultan im Dauerbetrieb mit gleichbleibender Präzision in einer Aufspannung drehen und fräsen. »Mit entsprechender Automatisierungseinheit lässt sich die Bumotec auch ohne Personal in einer sogenannten Geisterschicht fahren«, ergänzt Stéphane Violante, Marketing Projektmanager bei der Starrag Vuadens SA. »Alles in allem fallen die ‘cost per part’ deswegen deutlich niedriger als bei vermeintlich kostengünstigeren anderen Bearbeitungszentren aus.«
Die Herstellung derartig komplexer Bauteile funktioniert nur im engen CAD/CAM-Zusammenspiel mit den Kunden. In der Regel erhält Ducommon eine CAD-Datei. Die Zerspanung simuliert er mithilfe des Programms GibbsCAM auf dem Computer, um so die spätere Bearbeitung inklusive der Verfahrwege zu optimieren. Das Feintuning geschieht auf der Bumotec. Obwohl Niru Swiss digitale Inline-Messtechnik nutzt, checkt Ducommon alle Bauteile abschliessend in der separaten Qualitätssicherung mit Hightech-Equipment. Ducommon: »Trotz der vorgehenden Simulation und Optimierung kommen wir bei unseren komplexen Bauteilen nicht ohne ständige Überprüfung aller Kennwerte aus. Wir müssen bei jedem Bauteil stets dokumentieren, wie perfekt es gefertigt wurde. Das ist der Preis für die Produktion von komplexen, qualitativ hochwertigen Bauteilen in kleinen Losgrössen.«
An neue Aufträge kommen die Genfer durch Probearbeiten, mit denen sie in kleiner Losgrösse Testbauteile fertigen. Wenn das Resultat stimmt, folgen grössere Aufträge: Dafür sorgen auch die Arbeiten für die avantgardistische Marke Urwerk und deren Gründer Felix Baumgartner, den der Niru-Swiss-Geschäftsführer noch aus seiner früheren Zeit als junger Arbeiter in der Uhrenbranche kennt. Aktuell bewährt sich das Bumotec-Bearbeitungszentrum bei der Bearbeitung eines besonderen Bauteils der Marke Urwerk (siehe auch das Interview mit Urwerk-CEO Baumgartner und Starrag-Manager Violante auf Seite 30): Das nur 15 mm hohe und 46 mm breite Gehäuse der neuen Armbanduhr UR-111C besitzt keine aufschraubbare Bodenplatte. Es wird vielmehr aus einem Aluminiumrohling gefräst – einschliesslich einer 20 mm tiefen seitlichen Tasche zur Aufnahme des Uhrwerks. Und das geschieht mit der gewohnten Qualität der Bumotec mit hoher Wiederholgenauigkeit im Mikrometer-Bereich – von frühmorgens bis spätabends.
Auch dieses Bauteil wird dazu beitragen, dass der Bekanntheitsgrad von Niru Swiss weiter zunimmt. Der 35-jährige Schweizer denkt deshalb schon an eine neue Werkstätte mit deutlich mehr Platz für Menschen und Maschinen. Welche Rolle spielt dann für ihn der Produktbereich Bumotec – etwa mit Blick auf den Starrag-Claim »Engineering precisely what you value«? Ducommon: »Mir kommt es in diesem harten Geschäft auf höchste Produktivität, Präzision und Stabilität an. Und daher bin ich mir sicher, dass die nächste CNC-Maschine wieder eine Bumotec sein wird.«
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