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Die richtige DNA für den Landmaschinenbau

Heckert-Bearbeitungszentren helfen Ernährungsprobleme in den Griff zu bekommen dank massgeschneiderter Fertigungstechnik

Die Menschheit steht vor einem Dilemma: Die wachsende Weltbevölkerung braucht ständig mehr Nahrungsmittel, während die Anzahl an landwirtschaftlichen Betrieben abnimmt. Gefragt sind robuste und flexible Landmaschinen, die rund um die Uhr sehr zuverlässig und hochproduktiv arbeiten. Ihr Einsatz steht und fällt mit Motoren, Getriebegehäusen, Achsen und anderen schweren XXL-Bauteilen. Die Starrag Group hat sich bereits früh dieser Herausforderung gestellt. Bei der Produktion dieser schweren, grossen und robusten Bauteile aus Guss und Stahl haben sich Bearbeitungszentren des Produktbereichs Heckert bewährt. 

Auto, Lkw und Bus: Diese Begriffe fallen sicherlich den meisten spontan ein, wenn vom Fahrzeugbau die Rede ist. An Traktoren, Mähdrescher, Pflüge, Eggen, Saat-und Pflanzmaschinen oder Düngerstreuer denken wahrscheinlich nur wenige. Erstaunlich, hängt doch von dieser Fahrzeugtechnik unser Überleben ab. 

Gleich ob Traktor, Pflug oder Düngerstreuer: Jede Spielart der Landmaschinentechnik hat mehrere gemeinsame Nenner. Sie entsteht in der Regel in kleinen Losgrössen und es gibt sie oft in vielen Varianten. Die Anforderungen 
an die Produktionstechnik fällt entsprechend hoch aus. »Für landwirtschaftliche Fahrzeuge sind die beim Pkw üblichen Leichtbaulösungen meist kein Thema«, sagt Kai Bohle, Starrag-Verkaufsleiter für die DACH-Region des Segments »Transportation and Industrial«. »Gefragt ist robuster Maschinenbau, denn es kommen vorwiegend Bauteile aus Stahl und Guss zum Einsatz. Sie sind in vielen Fällen gross, schwer und anspruchsvoll in der Konturgebung.«

Heckert-DNA erhöht die Prozesssicherheit

So bedarf es zum Zerspanen zum Beispiel von Achsen, Getriebegehäusen, Motorenblöcken, Zylinderköpfen und Hydraulik leistungsstarker Bearbeitungszentren, die dank windungssteifem Aufbau für präzise sowie sichere Fertigungsprozesse sorgen. »Diese Eigenschaften gehören gewissermassen zur DNA der in Chemnitz produzierten horizontalen Heckert-HEC-Bearbeitungszentren«, erklärt Kai Bohle. »Daher setzen viele Landmaschinenhersteller unsere kompakten Heckert-Zentren von Palettengrösse 400 bis 800 ein. Aber auch die grossen Maschinen der Heckert-Large-Athletic-Baureihe mit Palettengrössen ab 1.000 mm × 800 mm sind in der Agriculture-Branche für grossvolumige und schwere Bauteile sehr gefragt.«

part of a motor block

Viele Landmaschinenhersteller setzen zur Bearbeitung von Achsen, Getriebegehäusen, Motorenblöcken, Zylinderköpfen und Hydraulikanlagen Heckert-Maschinen ein.

Kosten sparen mit kompakten Maschinen

Für die Maschinen sprechen die steifen, thermosymmetrisch gestalteten Hauptbaugruppen, digitalen AC-Vorschubantriebe, aufwendigen Profilschienenführungen und Kugelumlaufspindeln in allen Linearachsen. Chemnitz stattet sie ausserdem mit robusten, kraftvollen Spindeln mit hohem Drehmoment aus, die auch bei schwer zerspanbaren Materialien für langfristig hohe Präzision und sichere Prozesse sorgen. Zur Prozesssicherheit trägt ebenfalls der freie Spänefall bei, der sich besonders bei dem hohen Späneanfall beim Zerspanen von Gussbauteilen mit grossem Aufmass bewährt hat. Zudem fallen die Achsverfahrwege im Verhältnis zur Palettengrösse relativ gross aus. Bohle: »Der Kunde kann also unter Umständen die Maschine eine Nummer kleiner wählen und so Kosten sparen.«

Massgeschneidert die Produktivität erhöhen

Im Landmaschinenbau ist oft Massgeschneidertes gefragt. Spezialist für diese anspruchsvolle Aufgabe ist Torsten Leistner, Teamleiter Angebotsprojektierung in Chemnitz. Er beschäftigt sich schon seit Langem mit kundenspezifischen Optionen – vor allem für den Landmaschinenbau. Leistner wird unterstützt von Experten für Anwendungstechnik, Automatisierung, Layouterstellung und Sonderkonstruktion. »Die Anforderungen der Landtechnik erfüllen wir mit massgeschneiderten, kundenindividuellen Lösungen auf Basis unserer Heckert-Bearbeitungszentren«, erklärt Leistner. »Wir entwickeln gemeinsam mit dem Kunden die Bearbeitungstechnologie und legen Vorrichtungen sowie zur Losgrösse passende Automatisierungen aus.« Das Team passt die Lösungen individuell an örtliche Gegebenheiten an und übernimmt auch die Optimierung der Ergonomie.

Starrag stattet seine Heckert-Maschinen auf Wunsch mit einer NC-Pinole aus, die bei kompakten Modellen bis zu 500 mm in Z-Richtung ausfahren kann. »Mit der NC-Pinole haben wir bei den Kompaktbearbeitungszentren ein Alleinstellungsmerkmal, das sich bei Landtechnik-Anwendungen vielseitig nutzen lässt.«

NC-Pinole ermöglicht Bearbeitung von Achsgetrieben

Typisch für den Landmaschinenbau ist zum Beispiel die Bearbeitung von Halbachsen bzw. Achsgetrieben. Heckert-Maschinen erhalten dazu auf Wunsch eine 500 mm in Z-Richtung ausfahrbare NC-Pinole etwa zur Bearbeitung der Lagersitze im Innenraum. Sie hat einen Durchmesser von 125 mm und arbeitet mit einer Maximaldrehzahl von 4.000 min-1. Für grosse Bearbeitungszentren ab 1000er Palette aufwärts gibt es darüber hinaus eine Pinole mit 760 mm Verfahrweg und 150 mm Durchmesser.

Sichere, stabile und vielseitige Komplettbearbeitung

Der Anwender kann beim Pinolen-Einsatz auf teure, schwingungsgedämpfte Werkzeuge mit Verlängerungen verzichten und stattdessen preiswerte Standardwerkzeuge nutzen. Die Prozessstabilität nimmt ausserdem dank des verbesserten Längen-Durchmesser-Verhältnisses zu. Für Torsten Leistner ist klar: »Mit der NC-Pinole haben wir bei den Kompaktbearbeitungszentren ein Alleinstellungsmerkmal, das sich bei Landtechnik-Anwendungen vielseitig nutzen lässt. Denn sie bearbeitet auch Getriebegehäuse und Halbachsen mit tiefen Achstrichtern, für die sonst lange und dadurch schwingungsanfällige Werkzeuge erforderlich wären.«

Werkzeugmagazine mit bis zu 450 Plätze erlauben das automatische Ein- und Auswechseln von bis zu 1.400 mm langen Werkzeugen und Brückenwerkzeugen mit einer Weite von maximal 950 mm.

»Eine über Wangenhöhe gespannte Achse lässt sich auf einer Heckert HEC 800 X5 ohne Umspannen auf beiden Stirnseiten bearbeiten.«

Prädestiniert für die hochpräzise Motorbearbeitung

Doch nicht immer kann der Anwender auf lange Werkzeuge verzichten: Nötig sind sie zum Beispiel beim Bohren der Kurbel- und Nockenwellen der typischen Vier- oder Sechs-Zylinder-Reihenmotoren der Landmaschinen. Gefragt sind hier langlebige Antriebe. Dazu bedarf es hochpräziser Bohrungen in einem Zug, denn Umschlagbohrungen würden die erforderliche Qualität nicht gewährleisten. Eine Sonderlösung von Starrag erlaubt über einen Meter lange Bohrungen von einer Seite: Das Bearbeitungszentrum HEC 800 erhält dazu als feste Option eine Z-Achse mit einem auf 2.050 mm erweiterten Verfahrweg. Der Anwender kann nun eine 1.400 mm lange Bohrstange vor dem Werkstück positionieren, um mit ihr sogar sehr tief prozesssicher und -stabil zu bohren.

Werkzeugmagazin verleiht Flexibilität

Die Produktivität steht und fällt auch bei der Tiefbohrung mit der Automatisierung, die nur spezielle Peripherie ermöglicht. Dazu zählen etwa die Starrag-Werkzeugmagazine mit ihren maximal 450 Plätzen: Sie sind je nach Ausführung und Maschine in der Lage, bis zu 1.400 mm lange Werkzeuge sowie Brückenwerkzeuge mit einer Weite von bis zu 950 mm automatisch ein- und auszuwechseln. Die Magazine sind aber auch für Planfräser mit einem Durchmesser von maximal 340 mm ausgelegt, die das Finishen von grossen Dichtungsflächen auf der Brennraumseite von Zylinderköpfen und -blöcken übernehmen. Grössere Werkzeuge mit einem Gewicht von mehr als 50 kg bzw. mit einem Kippmoment von mehr als 70 Nm lassen sich alternativ mithilfe eines Pick-Up-Systems von der Vorrichtung in die Spindel ein- und auswechseln.

Für Kurbel- und Nockenwellenbohrungen in Vier- oder Sechs-Zylinder-Reihenmotoren mit langen Bohrstangen besitzt das Bearbeitungszentrum HEC 800 einen optionalen 2.500 mm langen Z-Weg.

Fünfachsigkeit steigert 
die Produktivität

Heckert-HEC-Zentren in fünfachsiger Ausführung eignen sich für viele Bearbeitungsfälle: Die Kompaktzentren HEC 500 bis HEC 800 besitzen dazu einen Dreh-Schwenktisch, bei grossen Zentren sorgt ein Schwenkkopf für die fünfte Achse. Mit diesen fünfachsigen Bearbeitungszentren lassen sich Zylinderköpfe, Achsen und komplex geformte Hydrauliksteuerblöcke deut-
lich produktiver zerspanen, denn es sinkt die Anzahl an Spannlagen und unproduktiven Nebenzeiten. 

Auch beim Zerspanen der sperrigen Pendelachsen von Landwirtschaftsgeräten kommen die Vorteile der fünfachsigen Heckert-Zentren zum Tragen. Eine über Wangenhöhe gespannte Achse lässt sich auf einer Heckert HEC 800 X5 ohne Umspannen auf beiden Stirnseiten bearbeiten. Der Anwender kann zudem durch Anstellen der fünften Achse Befestigungspunkte entlang der Längsachse pass- und positionsgenau einbringen. Er profitiert dabei nicht nur von der höheren Genauigkeit, sondern auch von den eingesparten Wechselzeiten.

Präzise Komplettbearbeitung von Planetenradträgern

Eine weitere Kernkompetenz fünfachsiger Heckert-Maschinen: Sie erlauben die Komplettbearbeitung von Planetenradträgern, die Landmaschinen-Hersteller in Getrieben und zum Teil auch in Achsen verbauen. Die Komplettbearbeitung sorgt für präzises Positionieren und so für ein akkurates Einhalten der erforderlichen Form- und Lagetoleranzen der Bohrungen. Die integrierte Drehfunktion erspart den sonst erforderlichen Wechsel auf eine Drehmaschine. Das direkte Verzahnen in einer Aufspannung steigert ausserdem die Profitabilität des Bearbeitungsvorgangs. Es ist schon erstaunlich, was alles in der DNA der horizontalen Heckert-HEC-Bearbeitungszentren steckt.