Transportation

Mit Hochdruck in eine sichere Zukunft

Während im Lockdown in Italien viele Unternehmen verzweifelten, nutzte eine Traditionsgiesserei in der Lombardei die Zwangspause zum Aufbau einer mechanischen Fertigung. Die rohen Gussteile verlassen künftig zur Endbearbeitung nicht mehr das Werk, sondern bekommen den letzten Schliff direkt von zwei Heckert-Bearbeitungszentren verpasst. Der Einstieg zum Aufstieg zum Systemlieferant gelang dank intensivem Starrag-Support trotz Pandemie ohne nennenswerte Verzögerung.

Bilder spiegeln oft die Seele eines Unternehmens: So auch in Bedizzole, unweit vom Gardasee. Im Konferenzraum von Industria Metalli blickt man auf ein Bild mit dem Titel »Obiettivi« (Ziele). Es ist das Foto einer Wanderin, die von einem Berggipfel auf einen weit entfernten Gebirgszug schaut. Spannend klingt die Bildunterschrift: »Schaue erst weit und dann blicke noch weiter in die Ferne.« Während Wanderer den Ausblick geniessen, ist Weitblick für Firmen wie Industria Metalli überlebenswichtig, denn ihre Kunden stammen aus der Fahrzeugindustrie, einer der anspruchsvollsten Branchen. Spezialisiert ist das Unternehmen auf Fahrzeugkomponenten – von Stützen und Halterungen bis hin zu Gehäusen aller Art. In hoher Fertigungstiefe entstehen in der Fabrik pro Jahr aus 8.000 t Sekundäraluminium über fünf Millionen Aluminium-Gussteile für 160 Kunden auf der ganzen Welt. Der Mittelständler aus der Lombardei macht seinen Umsatz zu 40 % mit der Automobilindustrie sowie zu jeweils rund 30 % mit Nutzfahrzeugherstellern und Agrartechnik-Unternehmen.

Am Anfang steht der Schmelzprozess, der Sekundäraluminium auf die für die Druckgusspressen ideale Verarbeitungstemperatur von 700°C bringt.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Industria Metalli startete mit der Bearbeitung von einfachen Gehäusen für Ölfilter. Das Unternehmen zerspant in seiner neuen Fertigungsinsel bereits jedes Zehnte seiner Bauteile. »Ich bin optimistisch, dass wir bald weitere Produkte mit den Heckert-Bearbeitungszentren endbearbeiten und dank der mechanischen Fertigung im Haus auch Aufträge für völlig neue Komponenten erhalten«, zeigt sich Becchetti zuversichtlich. »Im nächsten Schritt steht nun die Automatisierung an.« Doch schon ohne diese Integration kann sich das Ergebnis sehen lassen: Industria Metalli steigerte den Wertschöpfungsanteil an Bauteilen deutlich – sogar mit besserer Marge.

Doch was visiert der Geschäftsführer mit dem strategischen Weitblick langfristig an? »Mit dem Aufbau und der Integration der mechanischen Fertigung in unser Produktionssystem hat sich die Chance zum Aufstieg zum ›Tier one‹, zum Systemlieferanten, deutlich erhöht«, meint der Becchetti. »Wir können nun unsere Produkte im Vergleich zu den vielen Wettbewerbern ohne Inhouse-Machining deutlich wettbewerbsfähiger anbieten. Die beiden Heckert-Bearbeitungszentren sind dabei der erste Meilenstein auf unserem Weg.«