»Die erforderliche Kapazität war gegeben, und die mechanische Substanz der Maschine befand sich nach wie vor in einem vollkommen soliden Zustand«, erinnert sich Simon Prell, Head of Machining bei der Maschinenfabrik von NEUMAN & ESSER in Übach-Palenberg bei Aachen (NEA GROUP).
Eigentlich war der Ersatz der 26 Jahre alten Dörries CONTUMAT VCE 2000/180 bereits geplant und budgetiert. Aber die Randbedingungen waren weit davon entfernt, optimal zu sein. Beim Austausch wären umfangreiche Fundamentarbeiten und ein Produktionsstillstand von mindestens sechs Monaten erforderlich gewesen. In enger Zusammenarbeit mit Starrag wurde die Entscheidung für ein umfassendes Retrofit getroffen. Den Ausschlag gab schließlich das Vertrauen in die Retrofit-Kompetenz von Starrag. In der Firma werden Kompressoren unter anderem für technische Gase und die Wasserstoffwirtschaft hergestellt. Außerdem produziert sie Maschinen und Anlagen für die mechanische Verfahrenstechnik. In der mechanischen Fertigung entstehen überwiegend große, kundenspezifische Bauteile für Unikate und Kleinserien. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Präzision, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit der Werkzeugmaschinen.
Die Maschinenfabrik setzt in ihrer mechanischen Fertigung seit vielen Jahren auf Werkzeugmaschinen von Starrag. Sie haben sich bei der Komplettbearbeitung anspruchsvoller Maschinenkomponenten behauptet – etwa ein Portalbearbeitungszentrum der Baureihe Droop+Rein T, auf dem tonnenschwere Kurbelgehäuse für Kolbenkompressoren komplett bearbeitet werden und das sich seit 2011 im durchgängigen Dreischichtbetrieb befindet. Mindestens ebenso bewährt hat sich die Dörries CONTUMAT VCE 2000/180 – und das bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Die kompakte Einständer - Vertikaldrehmaschine bearbeitet große rotationssymmetrische Werkstücke wie Zylinder und Zylinderlaufbuchsen, Kolben sowie anspruchsvolle Ersatz- und Reparaturteile. Das Spektrum reicht von massiven Zylindern bis zu dünnwandigen Zylinderlaufbuchsen mit hohen Anforderungen an die Wandstärkengenauigkeit. Hinzu kommen Kolben mit Durchmessern von bis zu 1,3 Metern. Ob Neumaschinengeschäft, Ersatzteilfertigung oder Reparatur – gefordert sind Passungen im Hundertstelmillimeterbereich bei Innen- und Außendurchmessern. Ihre enorme Präzision, Robustheit und vor allem ihre außergewöhnliche Dauergenauigkeit machten die Maschine zur idealen Kandidatin für ein Retrofit. Kein Zufall: Die Vertikaldrehmaschine hatte ihre Qualitäten jahrzehntelang im täglichen Einsatz unter Beweis gestellt. Ihre massiven Gusskomponenten bilden eine robuste Maschinenbasis, die hohe Schnittkräfte genauso beherrscht wie Bearbeitungen im Hundertstelmillimeterbereich. Gerade im anspruchsvollen Ersatzteil- und Reparaturgeschäft bewies sich diese Kombination aus Präzision und Robustheit.
Im Mittelpunkt des Retrofits standen die beiden Baugruppen, bei denen sich das Alter der Maschine zunehmend bemerkbar machte: die Werkzeugträgereinheit der Vertikaldrehmaschine (Support) und die Steuerung. Der Support wurde im Starrag-Werk Mönchengladbach vollständig überholt, auf den aktuellen Entwicklungsstand gebracht und unter anderem mit einem neuen Z-Achsantrieb ausgestattet. Parallel dazu erhielt die Maschine eine komplett neue Elektrik mit SINUMERIK ONE, neuen Antrieben, Messsystemen, Schaltanlage und Bedienpult. Gemeinsam mit der Instandhaltung wurden die Modernisierungsmaßnahmen frühzeitig auf Wirtschaftlichkeit und kurze Stillstandszeiten ausgelegt. »Der Support und die Steuerung – das waren die beiden Dinge, bei denen wir unsere Knackpunkte sahen«, sagt Simon Prell. »Dass wir uns genau auf diese Bereiche konzentriert haben, hat dazu geführt, dass die Maschine heute wieder in einem neuwertigen Zustand ist.« Nicht der Austausch einer älteren Steuerung stand im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Starrag erhielt die Vertikaldrehmaschine ein Bedienkonzept, das sich eng an den neueren Werkzeugmaschinen im Werk orientiert. Dadurch können die Bediener nun nahezu ohne Umgewöhnung zwischen den Maschinen wechseln. »Die Jobrotation ist möglich geworden«, erklärt Simon Prell. »Den Bedienern fällt es enorm leicht, direkt die Maschine zu wechseln und zu bedienen.« Die Umsetzung bewertet er als »absolut zufriedenstellend«. Bis 2027 will das Unternehmen sämtliche Werkzeugmaschinen auf ein einheitliches Siemens-Steuerungskonzept umstellen.
Der Erfolg des Retrofits zeigte sich unmittelbar nach der Inbetriebnahme. Trotz der komplett neuen Steuerung nahm die Maschinenfabrik die Vertikaldrehmaschine schon in der folgenden Woche wieder vollständig in die Produktion auf. Nach einer kurzen Schulung vor Ort konnten die Bediener umgehend effektiv arbeiten. Simon Prell: »Wir waren sofort produktiv. Das war für mich eigentlich der stärkste Benefit.« Die unvermeidliche Ausfallzeit beschränkte sich auf lediglich zwölf Wochen. Ein weiterer Erfolgsfaktor war für Simon Prell die enge Zusammenarbeit zwischen den Starrag-Retrofit-Spezialisten und der eigenen Instandhaltung. »Uns ist immer ganz wichtig, dass die Kooperation zwischen unserer Instandhaltung und dem Servicemitarbeiter gegeben ist«, betont er. Entscheidend seien dabei das vorhandene Know-how und »eine saubere Kommunikation auf Augenhöhe«. Die eigentliche Bewährungsprobe begann erst nach der Inbetriebnahme – im täglichen Fertigungsbetrieb. Spektakuläre Produktivitätssprünge waren allerdings auch nicht das Ziel des Retrofits. Die Vertikaldrehmaschine arbeitete bereits vor der Modernisierung auf einem hohen Niveau. »Wir waren nie auf einem schlechten Level. Aber wir haben noch mal eine Schippe draufgelegt«, fasst Simon Prell zusammen. Verbesserungen sieht er hauptsächlich bei Produktivität, Maschinenverfügbarkeit, Bedienkomfort und Bearbeitungsqualität. Konkrete Zahlen seien jedoch nur schwer zu nennen. »Da muss man realistisch sein. Wir bewegen uns irgendwo im einstelligen Prozentbereich der Verbesserung.« Als typischer Einzelfertiger mit kleinen Losgrößen seien solche Effekte ohnehin eher nicht exakt zu beziffern. Entscheidend sei für NEUMAN & ESSER weniger die reine Bearbeitungszeit als die gleichbleibend hohe Qualität der Werkstücke.
Gerade im Ersatzteil- und Reparaturgeschäft zahlt sich diese Zuverlässigkeit aus. Im Gegensatz zur Serienfertigung gleicht hier kaum ein Auftrag dem anderen.»Ich habe großes Vertrauen in die Maschine und ihre Zuverlässigkeit«, so Simon Prell zur modernisierten Dörries CONTUMAT. »Sie überzeugt durch ihre solide und stabile Ausführung.« Auch sein Team arbeite nach wie vor sehr gerne an der Maschine. Ausschlaggebend seien ihre gute Zugänglichkeit, die großzügigen Arbeitsflächen und die hohe Bedienfreundlichkeit. Für den Abteilungsleiter hat das gelungene Retrofit deshalb weit über dieses einzelne Projekt hinaus Bedeutung. Während eine Modernisierung früher kaum in Betracht gezogen wurde, gehört sie heute fest zum Investitionskonzept des Unternehmens. »Es wird in der Zukunft weiterhin ein Weg bleiben – immer eine Option«, sagt Simon Prell. Speziell bei bewährten Maschinen lasse sich so Produktivität erhalten, die vorhandene Infrastruktur optimal nutzen und die Stillstandszeiten gegenüber einer Neuinstallation deutlich verkürzen. Nach den positiven Erfahrungen beim Schleifen und nun auch beim Vertikaldrehen will er diesen Weg konsequent weitergehen.
Ein wichtiger Partner auf diesem Weg ist Starrag. Nach dem erfolgreichen Retrofit der Dörries-Vertikaldrehmaschine steht bereits das nächste Modernisierungsprojekt an: ein Scharmann-Bohrwerk. Für den Leiter der Fertigung ist es ein logischer Schritt. Wo die mechanische Substanz stimmt, ist nicht zwangsläufig eine Neumaschine gefragt. In solchen Fällen kann ein Retrofit die wirtschaftlichere und zugleich leistungsfähigere Lösung sein.
Ich freue mich von Ihnen zu hören.
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