Kundenservice

Modernisierung als beste Option

Zwei 16 Meter lange 5-Achs-Portalbearbeitungszentren vom Produktbereich Droop+Rein der Starrag, die jeweils seit mehr als 15 Jahren kontinuierlich im Einsatz sind, wurden modernisiert, um weitere zwei Jahrzehnte hochproduktiver Zerspanung zu ermöglichen. Durch die Bewahrung eines umfassend validierten Fertigungsprozesses bei gleichzeitiger Integration modernster Steuerungs-, Antriebs- und Überwachungstechnologien unterstützte Starrag einen weltweit führenden Luft- und Raumfahrt- hersteller dabei, den Wert bestehender Anlagen bei minimaler Produktionsunterbrechung nachhaltig zu verlängern.

» Zur Einordnung: Die Maschinen sind 16 Meter lang, 6 Meter breit und 2,5 Meter hoch. Sie sind darauf ausgelegt, sehr große Flugzeug- und Rumpfbauteile mit äußerst hoher Präzision zu bearbeiten.« Stephen Barclay, Starrag Service Manager, USA

Das stufenweise Modernisierungsprogramm wurde von Starrag für ein Unternehmen umgesetzt, das sicherheitskritische Komponenten für die Luft- und Raumfahrt produziert. Während eine Maschine weiterhin in Produktion blieb, wurde die andere bis auf die Grundstruktur zurückgebaut und neu aufgebaut. Nachdem die erste Maschine erfolgreich wieder in Betrieb genommen war, wurde der Prozess umgekehrt. Beide Droop+Rein-FOGS-Maschinen wurden termingerecht und im Budgetrahmen übergeben. Für diesen Kunden sprach die Wirtschaftlichkeit eindeutig für eine Modernisierung, da die Maschinenstrukturen mechanisch intakt und komplett in eine hochoptimierte Fertigungszelle integriert waren. Das Projekt wurde kostengünstig abgeschlossen und vermied zugleich die deutlich längeren Vorlaufzeiten, die mit der Inbetriebnahme einer neuen Großwerkzeugmaschine verbunden gewesen wären. »Die Maschine war lediglich sieben Monate außer Betrieb. Der Kauf einer neuen Maschine hätte dagegen rund zwei Jahre gedauert. Das ist eine enorme Kosteneinsparung«, sagt Stephen Barclay, Service Manager bei Starrag USA. Was der Kunde letztendlich erhielt, war nicht einfach nur eine aufgestockte Version dessen, was er vorher schon hatte. Beide Maschinen wurden mit einer vollständig neuen elektrischen Infrastruktur, einer Siemens-CNC-Steuerung der neuesten Generation, aktuellen Antrieben und Motoren, volumetrischer Kompensation über den gesamten Arbeitsraum sowie sensorgestützter Datenerfassung für die vorausschauende Instandhaltung zurückgegeben. Die Modernisierung steigerte Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit, Funktionalität und Transparenz, ohne den Fertigungsprozess zu verändern, auf den der Kunde angewiesen ist. Die 5-Achs-Portalmaschinen Droop+Rein FOGS wurden ursprünglich 2004 beziehungsweise 2011 installiert. »Zur Einordnung: Die Maschinen sind 16 Meter lang, 6 Meter breit und 2,5 Meter hoch. Sie sind darauf ausgelegt, sehr große Flugzeug- und Rumpfbauteile mit äußerst hoher Präzision zu bearbeiten«, erörtert Stephen Barclay, der das Programm leitete und mit den Starrag-Engineering-Teams in Deutschland koordinierte. 

In dieser Größenordnung wird Präzision nicht mehr linear, sondern volumetrisch betrachtet. »Ziel ist es, die Spitze des Schneidwerkzeugs, das sich in einer 5-Achs-Umgebung bewegt, an jeder Stelle des Arbeitsraums innerhalb einer 55-Mikrometer-Kugel zu positionieren«, erläutert Stephen Barclay. Beide Maschinen haben diese Präzision – oder sogar bessere Werte – über mehr als 15 Jahre kontinuierlicher 24/7-Produktion hinweg gehalten.

Ersatzbeschaffung oder Modernisierung?

Die beiden Maschinen arbeiten in einem auf 1 °C temperaturstabilisierten Raum als Teil einer integrierten, palettenbasierten Fertigungszelle. Diese umfasst eine eigene Koordinatenmessmaschine, Wasch- und Trocknungsstationen sowie Be- und Entladestationen; 14 Meter lange Paletten werden zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen verfahren. Auf diesem Niveau der Luft- und Raumfahrtfertigung ist eine stabile, serialisierte Produktionsumgebung unverzichtbar. »Was an diesen Maschinen typischerweise altert, sind Kabel, elektrische Komponenten und in diesem Fall die Maschinensteuerung, die schlicht nicht mehr unterstützt wurde«, so Stephen Barclay. »Das ist vergleichbar mit Computern: Auch wenn ein Rechner noch einwandfrei funktioniert, erreicht er irgendwann das Ende seines Lebenszyklus und wird nicht mehr supportet. Wenn der Kunde die Anlage weiterhin benötigt, kann eine Modernisierung wirtschaftlich außerordentlich sinnvoll sein. Ich würde von einem Re-Lifting sprechen – allein wegen der Investition in Fundament und große Strukturbauteile.«

Starrag bewertet jedes Projekt individuell. Wenn Kunden zusätzliche Kapazität, größere Arbeitsräume, neue Bearbeitungsmöglichkeiten oder deutliche Produktivitätssteigerungen benötigen, kann eine neue Maschine langfristig den stärkeren Business Case darstellen. In diesem Fall jedoch waren die bestehenden Maschinenstrukturen weiterhin außergewöhnlich leistungsfähig, und die höchste Priorität des Kunden lag darin, einen bewährten Fertigungsprozess in der Luft- und Raumfahrt zu erhalten. Die Modernisierung war der optimale Weg, um diese Ziele zu erreichen. 

Der Dialog begann bereits 2018, lange vor einer Bestellung. Sowohl Modernisierung als auch Ersatzbeschaffung wurden sorgfältig geprüft. Die Ingenieure des Kunden reisten nach Europa, um die Abnahme einer neuen FOGS-Maschine bei einem anderen Anwender mitzuerleben. »Ich denke, das war ein entscheidender Punkt. Danach waren alle überzeugt, mit dem Retrofit fortzufahren, statt eine neue Anlage zu installieren«, erzählt Stephen Barclay.

Schutz des Prozesses

Die anspruchsvollste Spezifikation war nicht Geschwindigkeit oder Genauigkeit, sondern Kontinuität. »Der Kunde wollte Produktionsunterbrechungen und internen Requalifizierungsaufwand minimieren«, sagt Stephen Barclay. »Jede wesentliche Änderung an der Produktionsplattform hätte umfangreiche Prozessvalidierungen, Programmierarbeiten und Qualifizierungen erforderlich gemacht. Eine zentrale Vorgabe lautete daher: Die Maschine musste alle bestehenden Programme ausführen, sämtliche vorhandenen Werkzeuge nutzen und sich nahtlos in die etablierte Produktionsumgebung integrieren lassen. Indem wir die bewährte Maschinenarchitektur beibehielten und zugleich die Technologieplattform aktualisierten, konnten wir validierte Fertigungsprozesse erhalten und betriebliche Störungen auf ein Minimum reduzieren.« In der Luft- und Raumfahrt ist das nicht bloß eine Frage der Effizienz, sondern eine Compliance-Anforderung. »Flugzeugteile sind vergleichbar mit Medizinteilen. Man kann nicht einfach beschließen, sie anders herzustellen. Jede Komponente ist serialisiert. Der Fertigungsprozess ist geprüft und streng kontrolliert«, so Stephen Barclay. 

Dieses Prinzip prägte den technischen Umfang. Installiert wurden ein vollständig neuer Schaltschrank sowie alle Kabel, Sensoren und Antriebsmodule. Die Antriebsmotoren wurden durch Siemens-Einheiten der neuesten Generation ersetzt – physisch kleiner, bei gleicher Leistung und deutlich energieeffizienter, insbesondere im 24/7-Betrieb von zwei 16-Meter-Maschinen.

Die CNC wurde auf die neueste Siemens-Plattform umgestellt. Damit wurde nicht nur das Supportproblem gelöst, das das Projekt ausgelöst hatte; zugleich hielten aktuelle Sinumerik-Motion-Control-Pakete wie MDynamics und Engineered Motion Control Einzug. Spindeln und andere zentrale mechanische Komponenten blieben bewusst unverändert. »Es war die Entscheidung des Kunden, die Spindeln nicht durch eine andere Konstruktion zu ersetzen«, erklärt Stephen Barclay. »Stattdessen sollten sie gegen überholte und instand gesetzte Versionen getauscht werden. So blieben die kritischen mechanischen Komponenten in gutem Zustand, ohne Änderungen einzuführen, die den Prozess hätten beeinflussen können.« 

Ein Upgrade ging über den ursprünglichen Projektumfang hinaus: Beide Maschinen wurden vom Starrag-Standard-Kinematic-Management-System (KMS) auf das weiterentwickelte Volumetric Compensation System (VCS) von Starrag umgestellt. Dieses korrigiert geometrische Abweichungen über das gesamte Arbeitsvolumen hinweg direkt innerhalb der CNC, statt ausschließlich auf mechanische Genauigkeit zu setzen. Zu den Vorteilen zählen eine verbesserte Positionierung der Werkzeugspitze bei voll interpolierten 5-Achs-Bewegungen sowie eine höhere Oberflächenqualität. Dies übertrifft den Standard »gleichwertige oder bessere Leistung«, den Starrag vertraglich erreichen sollte.

Komprimierung der Stillstandszeit auf sieben Monate

Die Stillstandszeit bestimmte jeden Aspekt des Projekts. Da jeweils eine Maschine außer Betrieb war, erhöhte der Hersteller die Bestände wichtiger Komponenten und fing die fehlende Kapazität intern auf, statt Aufträge extern zu verlagern. Damit blieb kein Spielraum für Terminüberschreitungen. »Wäre die Maschine länger außer Betrieb gewesen als vereinbart, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf die Einhaltung der Produktionsanforderungen gehabt«, betont Stephen Barclay.  Die Lösung bestand darin, so viele Arbeiten wie möglich auszulagern beziehungsweise vorzuziehen: Mehr als 18 Monate Beschaffung und Vorbereitung wurden abgeschlossen, bevor die Arbeiten an der ersten Maschine begannen. »Die Baugruppen wurden vollständig in unseren Werken in Deutschland vorgefertigt und verpackt. Der komplette Schaltschrank war montiert, vorgetestet und einsatzbereit«, erläutert Stephen Barclay. Die Kabeltrassen mit Signal-, Hydraulik- und Pneumatikleitungen entlang der ganzen 16-m-Achslänge wurden im Werk montiert und getestet. »Unsere Aufgabe bestand darin, das Alte zu demontieren und das Neue zu installieren.« Unterstützt wurde das Vorhaben durch mehr als 20 Jahre lang vorgehaltene Engineering-Daten. »FOGS-Maschinen werden jeweils kundenspezifisch an die jeweilige Produktionsumgebung angepasst. Wir bewahren die ursprünglichen Bauspezifikationen auf und können auch 20 Jahre später noch darauf zugreifen. Diese Informationen waren entscheidend, um das Retrofit zu supporten«, so Stephen Barclay. Der Fortschritt wurde anhand eines Terminplans mit Hunderten von Teilaufgaben in gemeinsamen zweiwöchentlichen Review-Meetings verfolgt. Auch eine zwölfwöchige Erprobungsphase zwischen den beiden Maschinen wurde erfolgreich abgeschlossen. Daüber hinaus stellte Starrag während der Umstellung auf die neue Bedienoberfläche Anwendungstechniker direkt an die Seite der Bediener.

» Wir garantierten, dass jede Funktion und jeder Leistungsparameter min- destens so genau und produktiv sein würde wie zuvor – oder besser.« Stephen Barclay, Starrag Service Manager, USA

Von reaktiv zu vorausschauend

Der bedeutendste funktionale Gewinn der Modernisierung lag nicht in der Genauigkeit, sondern in der Transparenz. »Die neue Steuerung vereinfacht dem Kunden die Datenerfassung aus der Maschine. Wir sprechen hier von jedem Schalter und jedem Sensor. Ein Sensor kann heute Temperatur- sowie Druck- und Vakuuminformationen gemeinsam erfassen. Diese Sensoren melden sogar den Gasdruck in den Kälteaggregaten – etwas, das früher nicht möglich war. Der Kunde kann mehr Datenpunkte erfassen als je zuvor und erhält dadurch eine deutlich höhere Transparenz über Trends und potenzielle Fehlerpunkte. Das war vor mehr als 20 Jahren schlicht nicht darstellbar.« Mit diesen Daten wird eine unternehmenseigene Datenanalyse-Funktion gespeist.  »Im Kern geht es darum, Trends zu erkennen, die die Anlagenverfügbarkeit und die gesamte Produktionsleistung innerhalb des Werks verbessern. Die Lösung ermöglicht es, Daten zu erfassen, die vorher nicht sichtbar waren, und diese zu nutzen, um die Produktivität zu steigern und zugleich das Risiko ungeplanter Stillstände zu reduzieren«, sagt Stephen Barclay.  Die Fertigungszelle behält zudem Starrags Self-Qualification System (SQS) bei, das alle drei Monate ausgeführt wird. Dabei parkt die Maschine ihre Frässpindel, nimmt eine Laserspindel auf und misst ihre eigene volumetrische Genauigkeit über den ganzen Verfahrbereich der Maschine anhand dauerhaft montierter optischer Spiegel. Daraus entsteht ein Zustandsbericht über die Hauptachsen der Maschine.

Erprobt und bewährt – vorher und nachher

Nichts wurde dem Zufall überlassen. Vor Beginn der Arbeiten wurden eine vollständige Maschinenvermessung sowie ein vom Kunden ausgewähltes Prüfbauteil bewertet; nach Abschluss des Projekts wurden beide Prüfungen wiederholt.  »Alles entsprach den ursprünglichen Werten oder übertraf sie. Das war die Vereinbarung. Wir garantierten, dass jede Funktion und jeder Leistungsparameter mindestens so genau und produktiv sein würde wie zuvor – oder besser«, bestätigt Stephen Barclay. 

Als Hersteller für die Verteidigungsindustrie führte der Kunde parallel auch Cybersecurity-Prüfungen durch. Softwareversionen, Build-Daten und unterstützende Infrastruktur wurden frühzeitig verifiziert, um die Einhaltung der Cybersecurity-Anforderungen des Kunden sicherzustellen. Dieses Projekt zeigt, dass Starrag in der Lage ist, Kunden über den kompletten Lebenszyklus der Maschinen hinweg zu unterstützen. Ob die passende Lösung eine neue Maschine, ein strategisches  Modernisierungsprogramm oder eine Kombination aus beidem ist: Starrag arbeitet mit seinen Kunden daran, den Ansatz zu identifizieren, der für die jeweiligen Produktionsanforderungen das stärkste operative und wirtschaftliche Ergebnis liefert.

Der Leiter für kritische Systeme des Herstellers bezeichnet Starrags Umsetzung als »zwei Volltreffer in Folge«. Als interner Systemverantwortlicher und leitender Betriebsingenieur des Projekts meint er: »Es gibt Momente im Leben, in denen der Satz ›Ehre, wem Ehre gebührt‹ in besonderem Maße zutrifft. Die Exzellenz, die ich beim Starrag-Team während der FOGS-Retrofit-Projekte erlebt habe, ist absolut erwähnenswert, weil sie im heutigen anspruchsvollen Geschäftsumfeld selten geworden ist. Doch sehen heißt glauben. Von der Containerisierung und Bereitstellung neuer Materialien über die Ausführung der Arbeiten vor Ort bis hin zu Engineering und Verpackung in Deutschland vor dem Einsatz zeigte sich durchgängig, dass Starrag dem Grundsatz ›gute Planung verhindert schlechte Leistung‹ konsequent folgt. Das war im Verlauf des gesamten Projekts deutlich sichtbar. Ich habe gesehen, wie beide Projekte dank der organisatorischen Exzellenz des Teams reibungslos umgesetzt wurden. Im Klartext: Das Vor-Ort-Team, das Starrag für unser Projekt eingesetzt hat, ist absolut hervorragend und war ein Schlüssel zu unserem gemeinsamen Erfolg.« Er fügt hinzu: »Das Team von Starrag hat während des Modernisierungsprojekts hier in Texas erstklassige Arbeit abgeliefert. Ehrlich gesagt habe ich in meinen 49 Jahren in der Branche noch nie eine so exzellente Projektumsetzung erlebt. Alle haben fantastische Arbeit geleistet und einen Treffer nach dem anderen gelandet.«

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